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Sie sind das Archiv für Reparaturfuehrer.

Der Wegwerf-Gesellschaft entgegenwirken

Dieses Ziel verfolgt der Verein Repair Café St.Gallen. Im Januar 2014 hatte in St.Gallen die erste Repair Café Veranstaltung der Ostschweiz stattgefunden und war bei der Bevölkerung auf grossen Anklang gestossen. In den folgenden Jahren entstanden an mehreren Ostschweizer Orten Reparaturinitiativen, die mehr oder weniger regelmässig Publikumsveranstaltungen organisierten. Dabei machten Veranstalter/innen allerorts ähnliche Beobachtungen: Ältere Menschen waren dankbar dafür, dass Fachkundige ihre kaputten Geräte oder Textilien flickten (was ihnen selbst altersbedingt oft nicht mehr möglich war) und jüngere Besucher/innen freuten sich über einen Wissenstransfer in Reparaturtechniken.

Im Dezember 2019 konnte das Betriebsteam fixe Räumlichkeiten beziehen. Seither werden jeden Mittwochabend und an einem Samstag pro Monat Textilien, Accessoires, Spielzeuge und Geräte wieder funktionstüchtig gemacht (Anpassungen wegen Corona). Der Service wird von freiwilligen reparaturkundigen Personen durchgeführt und ist kostenlos.

Das Angebot wird von der Bevölkerung ausserordentlich geschätzt und durch die Stadt St.Gallen unterstützt. 2021 möchte der Verein Repair Café St.Gallen Bildungsangebote in den Bereichen Reparatur und Upcycling entwickeln, Partnerschaften mit dem lokalen Gewerbe ausbauen und sich räumlich vergrössern.

www.repaircafe.sg

Übersicht zu allen Schweizer Repair Cafés auf der Seite des Konsumentenschutzes:
https://repair-cafe.ch/de

TVO-Bericht zum ersten, Ostschweizer Repair Café (Januar 2014) im „Kaffeehaus“
https://youtu.be/YGNdhp3qIPw

26. Februar 2021

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Mehr als eine Velowerkstatt!

Die meisten Bielerinnen und Bieler kennen das «Grüene Huus» vor allem wegen seiner stadtbekannten Velowerkstatt. Ob Velo, Töffli oder Dreirad für Menschen mit körperlicher Beeinträchtigung: Kaum eine Herausforderung, welche vom Team der Velowerkstatt nicht angenommen würde. Ausserdem werden im grüenen Huus für Kundinnen und Kunden massgeschneiderte Velos selbst hergestellt. Wer will kann dazu sein Velo in der Werkstatt gegen eine Gebühr von fünf Franken selber flicken – inklusive kostenloser Beratung von 15 Minuten.

Das «Grüene Huus» ist jedoch mehr als eine aussergewöhnliche Velowerkstatt: In seiner mittlerweile 39-jährigen Geschichte hat das «Grüene Huus» zur Verwirklichung zahlreicher Ideen beigetragen, viele davon mit Bezug zum selber herstellen oder reparieren. Neben der stadtbekannten Velowerkstatt gehören dazu etwa eine Töpferei, eine Holzwerkstatt oder ein Nähatelier. Etliche dieser von Jugendlichen ins Leben gerufenen Projekte waren grosse Erfolge und sind mitterweile aus dem «Grüene Huus» ausgezogen, da ihnen die Räumlichkeiten zu klein wurden.

28. Januar 2021

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Repair Café: «Flicken ist provisorisch – reparieren langfristig»

Das Repair Café in Sarnen ist kein «normales» Café, das nur leckeren Kuchen und Kaffee anbietet. Es ist ein Café, das zusätzlich den Ressourcenverschleiss minimiert und unser Konsumentenverhalten optimiert. In der Aula Cher in Sarnen kann man zweimal jährlich an einem Samstag defekte Gegenstände vorbeibringen und diese von Reparaturprofis kostenlos reparieren lassen. Wieso also etwas Neues kaufen, wenn man es stattdessen repariert haben kann? All das inklusive einer Café Atmosphäre.

Wir haben mit einem langjährigen Reparateur ein kurzes Interview geführt, um einen direkten Einblick in dieses Projekt zu erhalten. Philipp Niederberger ist seit drei Jahren beim Repair Café Stans und seit zwei Jahren beim Repair Café Sarnen dabei. Er ist gelernter Radio-TV Elektriker mit einer Weiterbildung zum Medizintechniker HF. Er ist seit 16 Jahren im Verkauf im Einsatz und damit weg von der Technik und dem Reparieren. Das Repair Café gibt ihm die Möglichkeit eine geliebte Tätigkeit wieder auszuüben, welche ihn so fasziniert. Zudem ist auch der Umweltgedanke für ihn ein wichtiger Aspekt, er versucht sich so gegen die heutige Wegwerfgesellschaft einzubringen. Nicht ohne Grund kommt Philipp dreimal im Jahr ehrenamtlich einen ganzen Samstag arbeiten: für ihn ist das Repair Café eine Bereicherung im Umweltverständnis, auch fasziniert ihn das Arbeitsklima, welches jedes Mal hervorragend ist.

Philipp ist vor allem für die Objekte der Audio-Video-Branche zuständig, hat jedoch auch schon Reparaturen bei Kaffeemaschinen, Handmixer, Toaster und Netzstecker beliebiger Art durchgeführt. Dies zu seinem grossen Vergnügen, da er diese Reparaturen äusserst interessant findet. Für ihn sind alle gelungenen Reparaturen ein voller Erfolg. Philipp meinte am Schluss des Interviews: «Wichtig erscheint mir, dass man den Gedanken hat, was zu reparieren und nicht zu flicken. Flicken ist provisorisch, reparieren ist langlebiger.» Doch der Gedanke allein ist nicht alles, manchmal fehlt den Reparateuren das richtige Material, was manchmal dazu führt, dass es dann doch mehr ein Flicken ist. Für Philipp ist dies besser als gar nichts, ohne das Repair Café würden die Gegenstände umgehend im Mülleimer landen. Somit hat man wenigstens eine verlängerte Lebensdauer erreicht. Natürlich gibt es auch den Fall, dass eine Reparatur nicht vollständig gelingt, wobei die Reparaturquote mit rund 60 Prozent sehr erfolgreich ist. Eine Reparatur kann 15 Minuten bis hin zu drei Stunden dauern, je nach Komplexität des Defektes und Gerätes. Doch egal, ob repariert oder nicht, ein herzliches Dankeschön gibt es immer. Es gibt Besucher, die fallen fast um vor Freude, wenn ihr heissgeliebtes Gerät wieder funktioniert, sei es die Kaffeemaschine, die Erinnerungen trägt oder ein Toaster, der schon seit Generationen in der Familie ist. Für Philipp ist dies Lohn genug.

Am besten gefällt Philipp beim Repair Café, dass er sich einen ganzen Tag ungeniert Geräten widmen und diesen «neues Leben» geben kann. Dies mit dem Hintergedanken, dass es funktionieren kann, jedoch nicht muss. Jedes reparierte Gerät ist ein Gewinn und ein Schritt weg von einem Massenkonsumverhalten. Die dahintersteckende Leidenschaft wie auch das umweltbewusste Denken ist für ihn die Motivation, sich immer wieder ehrenamtlich zu engagieren.

Auf die Frage, inwiefern das Repair Café einen positiven Effekt auf die Umwelt hat, war für Philipp klar, dass es vor allem auch darum geht, das Bewusstsein zu stärken, dass man hie und da auch was wiederverwenden kann und somit auch einen Grund hat, den Gegenstand aufzuheben und beim nächsten Repair Café vorbeizubringen. Also falls jemand einen frühen Frühlingsputz macht und defekte Sachen findet, bringt diese ins Repair Café. Wir freuen uns.

Blog von Svenja Wanner, natur & umwelt ob-nidwalden, Stans»

Nächstes Repair Café Sarnen 

Samstag, 13. März 2021, 10:00-16:00 Uhr, Aula Cher Sarnen / Patronat: Energiestadt Sarnen

Organisation: natur & umwelt ob-nidwalden, www.naturiamo.ch, info@naturiamo.ch

26. Januar 2021

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Communes durables et actions en faveur de la réparation

L’Etat de Fribourg, en collaboration avec l’Association des Communes Fribourgeoises, a le plaisir de vous présenter la nouvelle version de son Portefeuille d’actions durables : www.communes-durables.ch. Véritable boîte à outils en faveur de la durabilité, le Portefeuille d’actions durables fournit aux communes fribourgeoises et aux sociétés locales une boîte à idées pour renforcer et diversifier leurs projets en faveur de la durabilité. Plusieurs actions de la thématique « 12 : Développement durable » peuvent être mises en lien avec la réparation. Par exemple, l’action « Repair Café » donne les clés aux communes pour organiser ces évènements sur leur territoire. L’action « Deuxième vie des objets usagés aux déchèteries (ressourcerie) » propose quant à elle de mettre en place des zones de dépose d’objets usagés ou réparables dans les déchèteries communales. L’action « Système d’échange local (SEL) » a pour but de mettre en place des plateformes échanges de services, de compétences ou de biens entre membres. Il est donc possible de mettre à contribution ses compétences en réparation. Sur chaque fiche d’action sont détaillés les différentes étapes de mise en œuvre, les coûts ou encore les points d’attention particulière.

www.communes-durables.ch

14. Januar 2021

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Caritas Jura se lance dans la réparation de vélos

Le vélo a le vent en poupe du fait de la situation de crise que nous traversons. En effet, tant la situation sanitaire que l’urgence climatique poussent de nombreuses personnes à ressortir leur vélo ou même à en acquérir un nouveau. Les magasins spécialisés se sont vus submerger par l’augmentation de la demande et des délais d’attente sont à déplorer pour l’acquisition et pour la réparation. Par conséquent, Caritas a décidé de lancer son action « Vélo pour tous » dont le but est de permettre à chacun d’avoir accès à la réparation de son vélo. Cette initiative consiste en la création d’un atelier de réparation dans ses locaux de la rue St-Henri 10 à Delémont. Chacun peut donc y apporter son vélo dans le but de le remettre en état. Tout d’abord, un diagnostic gratuit est établi de sorte à cibler les réparations à effectuer. Ensuite, la possibilité est laissée au client de décider des actions à mettre en œuvre. Caritas Jura propose de nombreuses prestations à des prix attractifs. Les vélos électriques sont aussi pris en charge, bien que l’atelier n’effectue aucune réparation de batteries, de moteurs et de boîtiers de régulation.

Action « Vélo pour tous » de Caritas Jura : https://www.caritas-jura.ch/prestations/velo-pour-tous

 

14. Januar 2021

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Rucksäcke aus gebrauchten Aare-Gummibooten in der Schweiz hergestellt

Die Idee, Rucksäcke aus Gummibooten zu machen, entstand an einem warmen Sommertag, als die Aare mit Gummibooten überfüllt war. Am Abend desselben Tages lagen dann überall am Ufer der Aare und in den Abfallcontainern benutzte und kaputte Gummiboote. Da Gummiboote PVC enthalten und dies schädlich für die Umwelt ist, fanden wir: dieses Material darf nicht einfach in so grossen Mengen weggeworfen werden, wir müssen einen neuen Nutzen dafür finden!

Einfach war es nicht und es stellten sich uns viele Hindernisse in den Weg. Doch die Idee und der Wille, etwas aus diesen alten Gummibooten zu machen, waren da und so besorgten wir uns eine Nähmaschine und begannen, Rucksäcke zu designen und nähen – keine leichte Aufgabe mit diesem Material! Doch die viele Arbeit hat sich gelohnt und die dabei entstandenen Ideen und Produkte haben uns voll überzeugt und uns Ansporn gegeben, weiterzumachen.

2019 konnten wir dank der Unterstützung von Entsorgung + Recycling Stadt Bern (ERB) den ersten Gummiboot-Container bei der Dalmazibrücke aufstellen. Im Jahr 2020 war es dann endlich so weit und die Kollektivgesellschaft REBOERN wurde gegründet.

Rucksäcke für Damen und Herren Bern – Fairtrade | Reboern

 

12. Januar 2021

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Ein zweites Leben für Holz

Für das neue Lieblings-Möbelstück muss nicht zwingend ein Baum gefällt werden. Altholz kann «upcycled» und anstatt entsorgt, in ein Designerstück verwandelt werden. Mehrere Handwerkstätten in der Schweiz haben sich dieser Idee verschrieben. Sie spüren wertvolle Materialien auf und gestalten Kollektionen und Einzelstücke aus alten Parkettböden, Weinkisten, Restleder, SBB-Transportrahmen, Kabeltrommeln etc. Die Spuren der früheren Nutzung dürfen sichtbar bleiben und geben den Möbeln und Deko-Gegenständen einen ganz eigenen Charakter – echte Hingucker für Privaträume, Gastrobetriebe oder Verkaufsläden.

Eine Auswahl an Werkstätten, die Altmaterial einsetzen:

www.rewood.ch

www.kyburzmade.com

www.uniqamo.ch

6. Januar 2021

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Reparieren statt wegwerfen

Am Samstag fand im Schulhaus Burggasse in Altendorf zum ersten Mal ein Repair Café statt.

Der Ansturm war überaus gross, als die Türen der Werkräume im Schulhaus Burggasse in Altendorf öffneten. Karl Oberholzer, der Organisator des Repair Cafés und rund zehn Fachleute aus den Bereichen Mechanik, Elektronik und Textil kümmerten sich um die vielseitig gelagerten, vorwiegend regionalen Kundenwünsche. Gegenstände, welche zu Hause selbst nicht mehr geflickt werden konnten, wurden fachmännisch geprüft und repariert. Ziel des Repair Cafés ist es, zu zeigen, dass viele Produkte repariert werden können und nicht weggeworfen werden müssen, um im Müll zu landen. Im Elektronikzimmer hatten die fachkundigen Männer alle Hände voll zu tun. An kaputten Staubsaugern, Lampen, CD-Playern und Kochutensilien wurde sogar jede Schraube überprüft. In der Cafeteria zog die Wartezeit bei Kaffee und feinen Kuchen schnell vorbei. Der Reparaturdienst sowie die Köstlichkeiten waren kostenlos, mit einer kleinen Spende konnte man jedoch seine Dankbarkeit ausdrücken. So konnten am Samstag insgesamt 35 von 64 Gegenständen erfolgreich repariert werden. Dies entspricht 65 Kilogramm Material, welches vor Wegwerfen bewahrt werden konnte. Es ist zu hoffen, dass ein solches Repair Café nicht zum letzten Mal stattgefunden hat.

9. Dezember 2020

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Nutzungsverlängerung durch Reparatur elektronsicher Geräte als Strategie zur Abfallminimierung

Was bewegt den Nutzer?
Klaus Hieronymi, Justus Hieronymi und Prof. Dr. Martin Faulstich

Neben dem bisher üblichen Umgang mit ausgedienten, elektronischen Geräten (E-Schrott – Sammlung & Recycling) steht zunehmend die Verlängerung von deren Nutzungsdauer im Fokus neuer Strategien, um den Abfall aus dieser Produktkategorie erheblich zu vermindern. Reparaturen defekter Geräte sind, neben der Weitergabe als Gebrauchtgeräte, ein wichtiger Baustein in einer Kreislaufwirtschaft, die sich nicht nur auf die Rückgewinnung von Materialien fokussiert, sondern auch auf die Verminderung des Abfalls. Die Kriterien, die die Nutzer bei ihrer Entscheidung für die Reparatur eines Gerätes alternativ zum Kauf eines Neugeräts zugrunde legen, wurden bisher nur in wenigen Untersuchungen erforscht. Dabei sind diese Informationen essentiell, um Maßnahmen zu entwickeln, die eine Steigerung der Nutzungsdauer elektronischer Geräte durch vermehrte Reparaturen weitreichend bewirken können.
In einer Studie mit 500 Teilnehmern eines Online-Panels wurde versucht, erste Antworten auf die Frage nach diesen Kriterien zu finden. Es war keine Überraschung, dass der Reparaturpreis als der wichtigste Parameter genannt wurde. Erstmals ergab die Studie auch Indikationen zur Höhe der von den Nutzern akzeptierten Reparaturpreise, bei denen sie eine Reparatur dem Ersatz durch ein Neugerät den Vorzug geben würden.

Nutzungsverlängerung durch Reparatur elektronischer Geräte als Strategie zur (muellundabfall.de)

 

 

8. Dezember 2020

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Die Bedeutung der handwerklichen Fähigkeiten für unsere Gesellschaft

von Reiner Pesch, Co-Präsident des Vereins «flick und werk» in Solothurn

Mit diesem Aufsatz möchte ich ein Plädoyer halten für das Handwerk und den handwerklichen Fähigkeiten im Alltag. Wir leben heute in einer Gesellschaft, die stark auf digitale Technik und Kommunikation ausgerichtet ist. Uns gehen aber immer mehr handwerkliche Fähigkeiten verloren. Gerade diese Fähigkeiten sind aber in unserem Alltag sehr wichtig. Sie beinhalten nämlich einen grossen Erfahrungsschatz: den Umgang mit Werkzeugen, die Kenntnis von ganz unterschiedlichen Materialien und ihrem Verhalten. Diese Erfahrungen kommen beim Reparieren und Herstellen von Gegenständen oder Arbeiten im Garten, beim Kochen oder beim Nähen zum Tragen. Natürlich kann man all diese Fähigkeiten auch digital einkaufen, aber zu welchem Preis?

 

Im Folgenden möchte ich gerne auf Entwicklungen in unserer Gesellschaft aufmerksam machen, die einen nachdenklich stimmen sollten. Ich möchte hier meine eigenen Erfahrungen einbringen, die ich im Laufe von gut 40 Berufsjahren in der Industrie gesammelt habe.

Für mich haben gravierende Veränderungen in der Gesellschaft mit der Globalisierung um 1990 begonnen. Bis zu diesem Zeitpunkt waren wir stolz auf unsere Qualität „Swiss made“ oder „Made in Germany“. Doch dann begann die Auslagerung von Arbeitsplätzen nach Osteuropa bzw. China/Asien. Im Laufe der Jahre wurden in diesen Ländern mit billigen Arbeitskräften billige Waren hergestellt. Somit wurden in der Schweiz und Deutschland immer mehr sichere Arbeitsplätze abgebaut. Es entstanden die unsicheren Arbeitsplätze und die Stellenvermittlungsbüros lebten auf.

Da aber die in Asien oder Osteuropa hergestellten Waren so billig waren, wurden diese, mit kräftiger Unterstützung der Werbeindustrie [mit Werbesprüchen wie «Geiz ist geil» (Saturn) oder «Ich bin doch nicht blöd» (Mediamarkt)], bei uns in Westeuropa massenhaft gekauft. Wir alle haben gedacht, dass wir gute Qualität zu günstigen Preisen erhalten. Aber genau das war ein grundlegender Fehler.

Wir erhielten nämlich Waren, die schon nach relativ kurzer Zeit kaputtgingen und somit zu Abfall wurden. Da die Waren jedoch so preisgünstig waren, lohnte es sich natürlich nicht, diese zu reparieren. Also hat man die Waren entsorgt. Dies ist der Kreislauf, indem unsere massenhafte Kauflust entstand und wir zur Wegwerfgesellschaft wurden. Im Laufe der Zeit haben wir immer mehr unser Qualitätsbewusstsein verloren, da wir ja nicht mehr selbst die Waren hergestellt, sondern diese nur noch konsumiert haben.

Es hat sich bei uns eine Mentalität eingestellt, wonach wir uns ja alles mit Geld kaufen können. Das Problem ist aber: Geld ersetzt keine Fähigkeiten.

Parallel zum Massenkonsum hat die digitale Technik und Kommunikation ihren Siegeszug in unserer Gesellschaft angetreten. Auch hier wird der Massenkonsum weiter ausgebaut. Denn nun können wir aus der ganzen Welt per Internet alle möglichen Waren bestellen, ohne dass wir als Verbraucher die Möglichkeit haben, die Qualität zu beurteilen.

Meiner Meinung nach wird es nun Zeit, diesen Kreislauf zu durchbrechen. Und hier kommen die handwerklichen Fähigkeiten und das Handwerk ins Spiel. Derzeit gibt es eine Hemmschwelle für viele Menschen, etwas selber zu reparieren, herzustellen oder überhaupt handwerklich tätig zu werden. Ich frage mich natürlich warum? Liegt es vielleicht daran, dass wir hohen Konsum mit hohem sozialem Status verbinden? Haben wir einen so hohen Perfektionsanspruch, dass wir erst gar nicht anfangen, handwerklich tätig zu werden. Oder liegt es daran, dass das Handwerk in unserem Bildungs- und Wertesystem einen zu geringen Stellenwert hat gegenüber der Vermittlung von digitalen Fähigkeiten? Wir leben in einer Zeit der ständigen Ablenkung. Die Freizeit- und Kommunikations-Angebote auf den sozialen Medien sind riesig. Das Erlernen von handwerklichen Fähigkeiten hingegen erfordert Zeit und Kontinuität. Doch es lohnt sich in Zeit und Kontinuität zu investieren.

 

Für mich bietet das Handwerken grosse Vorteile. Das Handwerk ist etwas Ganzheitliches. Es beginnt mit der Idee, dann ist Kreativität gefragt. Weiter geht es mit der Planung, der Organisation, dem Einkauf von Materialien und dem Herstellen des fertigen Produktes. Wo ist in der heutigen Berufswelt noch so ein ganzheitliches Arbeiten möglich?

Aber es gibt auch noch weitere Vorteile, die das Handwerk im Alltag bietet. Wir können den Sprung vom Konsumierenden zum Produzierenden schaffen. Das Qualitätsbewusstsein steigt, da ich viele Erfahrungen bei meiner handwerklichen Tätigkeit mache. Handwerk macht Spass und entschleunigt ungemein. Insbesondere wenn das Handwerk in einer Gruppe Gleichgesinnter ausgeführt wird, bietet es persönliche Kontakte und neue Anregungen. Aber das Wichtigste ist, selber etwas herzustellen, macht Spass. Selbstgemachtes weiss ich zu schätzen, es ist schön, und ich würde niemals auf die Idee kommen, es einfach wegzuwerfen.

https://www.flickundwerk.ch/

Der Autor ist zu erreichen unter: Reiner Pesch, peschreiner2@gmail.com

26. Oktober 2020

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